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Ich war wieder viel zu früh dran und ärgerte mich über mich selbst, über meine lächerliche Übervorsichtigkeit und meine ständige Angst, bei irgendwas zu spät zu kommen. Mein Buch hatte ich im Koffer gelassen, also ging ich zu dem kleinen Kiosk gegenüber, stöberte wahllos im Zeitschriften-Regal nach etwas Lesbarem und überflog die Frauenzeitschriften, deren Titel mich an die Namen von Damen-Hygieneartikeln erinnerten. Ein kleines Mädchen stieß mich an, als sie ihre Mutter zu einem Süßigkeiten-Regal zerren wollte, wo mit SpongeBob-Schlüsselanhängern für ein Schokoriegel geworben wurde. Sie hatte feuerrote Haare und war viel zu dick für ihr Alter. Die Mutter war gerade dabei, Geld aus ihrem Portemonnaie zu holen, doch bei dem Geruckel ihrer Tochter fiel ihr ganzes Kleingeld auf den Boden, verteilte sich lautstark im Geschäft, rollte zwischen die Beine der Kunden hindurch, die ein Bein hoben oder zur Seite sprangen, als würden sie einer gefährlichen Schlange ausweichen. Ein kleiner Jack-Russel-Terrier machte sich von seinem Herrchen los und rannte hinter einer der Münzen her, die sich wie eine rollende Diskusscheibe in Richtung Kasse bewegte und dann hinter einem der Tische verschwand, auf denen schlechte Liebesromane zum Sonderpreis angeboten wurden. Der Tisch kippte wie in Zeitlupe um und die Bücher verteilten sich lawinenartig über den Boden. Wie gebannt beobachtete ich die Szene, es war, als würde ich mir einen alten Slapstick-Stummfilm ansehen. Keine Ahnung, wie lange ich da gestanden hatte, denn jetzt erst bemerkte ich den Mann, der neben mir stand. Ihm schien der Lärm nichts auszumachen, er sprach in sein altmodisches Klapphandy, die eine Hand in der Hosentasche. Es sah aus, als würde er vor dem Schaufenster eines Elektrofachgeschäfts stehen und sich die tonlose Wiedergabe eines Fußballspiels auf einem der Flachbildschirme ansehen.
„…mach keinen Stress, ist alles gelaufen. Hol mich einfach hier ab … Wie? Wieso warten? Ich steh hier mit 3 Koffern, du Idiot … Keine Ahnung, wie du das machst, interessiert mich auch nicht, ich …“ Der Terrier hatte sich inzwischen von dem einen Ende des Raumes in unsere Richtung begeben, blieb vor dem Mann stehen und sah ihn an, hob dann ein Bein und pinkelte ihm direkt auf seine blank geputzten Schuhe. Der Mann hörte auf zu sprechen und hielt das Handy jetzt in einigem Abstand von seinem Ohr entfernt. Ich hörte eine quäkende Männerstimme unverständliche Wuttirraden ausrufen. Der Mann klappte langsam das Handy zu, steckte es in die Hosentasche, bückte sich dann zu dem Hund hinunter, der inzwischen seine Blase entleert hatte, hob ihn hoch und hielt ihn direkt vor sein Gesicht. Im Zeitungsladen herrschte plötzlich Totenstille, kein Atmen war zu hören, sogar das dicke rothaarige Mädchen hatte mit ihrem Gezeter aufgehört und schaute wie alle anderen gebannt in unsere Richtung. Der Mann hatte sich inzwischen mit der rechten Hand den Hosenschlitz aufgezogen, holte seinen Penis heraus und pinkelte auf den Kopf des Terriers. Er tat das mit einer solchen Gelassenheit und Ruhe, dass ich nicht anders konnte als wie die anderen Menschen im Raum wie gebannt auf sein bestes Stück zu schauen, aus dem sich ein gleichmäßiger Strahl Flüssigkeit über den Hund ergoss, der keinen Ton von sich gab, einfach still in der Hand des Mannes verharrte und alles über sich ergehen ließ.

… to be continued …

 

Terminal, rückwärts (Teil 2)

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