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waltz with bashir

Mit „Waltz with Bashir“ wagt Folman gleichzeitig den Bruch mit zwei Tabus: Erstens überschreitet er die Grenzen zwischen Dokumentar- und Animationsfilm. Zweitens – und dieser Umstand ist viel tiefgreifender – erreicht er die Sensibilisierung des Zuschauers für ein unbeliebtes Thema: den Krieg.

„Waltz with Bashir“ ist ein sehr persönlicher und bewusst autobiografisch angelegter Film. Mit ihm verarbeitet der israelische Regisseur Ari Folman seine eigenen traumatischen Erlebnisse während des Libanonkrieges in den 1980er Jahren, die er als 18jähriger Soldat miterlebt hat. Dort wurde er Augenzeuge des Massakers von Sabra und Shatila, das von christlich-libanesischen Phalang-Melizen an den muslimischen Flüchtlingen, in der Mehrzahl Frauen, Kinder und alte Menschen, verübt worden war.

Ari Folman schafft mit „Waltz with Bashir“ ein neues Filmgenre

Der Regisseur Ari Folman polarisiert und begeistert zugleich. Sein neuer Film erregt weltweit Aufmerksamkeit und ist für die Golden Globes 2009 in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Dies liegt vor allem daran, dass er nicht nur verschiedene Filmtechniken miteinander verknüpft, sondern das Thema geschickt mit einer autobiografischen, psychologischen und dokumentarischen Sichtweise verbindet. Dies ist bisher einmalig. Folman selbst nennt das neu entdeckte Filmgenre daher auch gerne „Anidok“ – eine Verschmelzung von Dokumentarfilm und Animation. Denn der Film basiert auch auf real gefilmten Aussagen von Zeitzeugen, die später für den Kinofilm übermalt wurden.

„Waltz with Bashir“ soll Zuschauer zum Nachdenken anregen

Durch die Animationstechnik schafft Folman eine gewisse Distanz zur Realität, die es dem Zuschauer ermöglicht – anders als beim reinen Dokumentarfilm -, sich auch emotional auf eine Ebene mit dem Erzählten zu begeben. Auf diese Weise erreicht er eine schrittweise Annäherung an ein sensibles Thema.
Von großer Bedeutung – und dies ist ebenfalls ein gewisses Novum in der Filmwelt – ist Folmans Herangehensweise an ein politisches Thema. Er unterscheidet nicht zwischen sachlicher Dokumentation und persönlicher Wahrnehmung, sondern verschmilzt beides zu einer Einheit.

Mit jedem weiteren Puzzlestück der Erinnerung Folmans im Film nehmen die realistischen Bilder zu. Nicht die animierte Ästhetik selbst steht im Vordergrund, denn sie soll die neue filmische Auseinandersetzung mit einem realen politischen Problem ermöglichen. Außerdem kann der Regisseur auf diese Weise geschickt zwischen den Ebenen des Erinnerns und des Erzählens wechseln.

Schwierigkeiten bei Finanzierung von „Waltz with Bashir“

Den einen war er für einen Animationsfilm zu realistisch, während Dokumentarfilmer den Film als nicht dokumentarisch ablehnen. „Waltz with Bashir“ war aber von Anfang an als Animationsfilm angelegt.Die schwere Zuordnung des Films in ein bestimmtes Genre verursachte Probleme bei der Suche nach Finanziers. Die Thematik schien den meisten potentiellen Geldgebern zu unzugänglich für die Zuschauer. Besonders die Amerikaner hatten Probleme mit der doch teilweise sehr realistischen Darstellung einiger Szenen. So wurde eine reale eingespielte deutsche Pornoszene für den amerikanischen Markt übermalt, das BBC-Video in den Lagern von Sabra und Shatila am Ende des Films blieb jedoch bestehen.

Neue Herangehensweise an Kriegsproblematik

Im Unterschied zu anderen Filmen, die den Krieg zum Thema haben, wird in „Waltz with Bashir“ das Verhältnis zwischen Armee und Heimatfront dokumentiert. Ari fühlt sich als junger Soldat auf seinem Heimaturlaub von seinem Land entfremdet. Die zivile Bevölkerung in der Heimat scheint nicht am Krieg beteiligt, die Menschen sehen den Kämpfen aus ihren Fenstern heraus zu. Das Leben geht wie gewohnt weiter.

Genau dieses Groteske an der Situation symbolisiert der „Waltz with Bashir“, der „Tanz“ eines Soldaten mit Bashir, dem ermordeten Anführer der Phalangisten. Es ist ein Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges über die israelischen Grenzen hinaus.

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